Wetterextreme: Ist die Landwirtschaft im Allgäu gefährdet?

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Aufgrund des Klimawandels werden die Ernten der bayerischen Landwirte regelmäßig von Wetterextremen wie Hagel, Starkregen, Stürmen oder Trockenheit bedroht. Im Allgäu versichern sich immer mehr Landwirte gegen solche Extremwetter. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützt die Absicherung landwirtschaftlicher Betriebe gegen Schäden durch eine Mehrgefahrenversicherung. Doch wie stark ist das Allgäu von Extremwetter betroffen? Ein Landwirt aus Oy Mittelberg erklärt, dass es in der Region Unterschiede gibt, jedoch zeigen sich dort längere Vegetationsphasen und höhere Erträge. Dennoch ist eine Vorsorge gegen Extremwetter auch im Allgäu wichtig, vor allem für Ackerbauern. Insgesamt hat sich in der Landwirtschaft auch in Bezug auf Themen wie Tierwohl und Pflanzenschutz viel verändert.
Hagel, Starkregen, Stürme oder Trockenheit: Wetterextreme bedrohen aufgrund des Klimawandels mittlerweile regelmäßig die Ernten der bayerischen Landwirte. Immer mehr Landwirte in Bayern sichern sich deshalb gegen Extremwetter ab. Doch wie sieht es im Allgäu aus?

Im Allgäu versichern sich immer mehr Landwirte gegen Extremwetter, wie das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mitteilte. Die Bedrohung der Ernten durch Trockenheit, Starkregen, Stürme und Hagel aufgrund des Klimawandels ist mittlerweile auch hier real. Die Ertragsschäden, die solche Unwetter in diesem Jahr in weiten Teilen des Allgäus verursacht haben, werden von Experten auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt.

Aus diesem Grund unterstützt der Freistaat Bayern seit diesem Jahr als erstes Bundesland die Absicherung landwirtschaftlicher Betriebe gegen solche Schäden durch eine Mehrgefahrenversicherung. Doch wie ist die Situation konkret im Allgäu? Sind die Ernten der Landwirte hier ebenfalls zunehmend durch Extremwetter bedroht? Michael Gabler, ein Landwirt aus Oy Mittelberg und stellvertretender Kreisobmann beim Bayerischen Bauernverband, gibt Auskunft.

AllgäuKompass: Herr Gabler, wie nehmen die Landwirte in der Region den Klimawandel wahr?

Michael Gabler: Ich denke, dass es selbst im kleinen Allgäu bereits Unterschiede gibt. Das haben wir diesen Sommer während der Trockenperiode gut gesehen: Direkt an den Bergen gab es ausreichend Niederschlag in der Staulage, während die Situation auf einer Schotterebene in Memmingen bereits eine andere war. Die Landwirtschaftsfläche im Oberallgäu besteht zu 98% aus Grünland, während es im Unterallgäu bereits große Ackerbauflächen gibt. Aufgrund dieser Unterschiede gibt es natürlich große Unterschiede in der Vorsorge und in anderen Aspekten. Eine definitive Antwort ist daher nicht möglich.

AllgäuKompass: Aber macht sich das Extremwetter auch im Allgäu bemerkbar?

Michael Gabler: Wir spüren natürlich, dass extreme Wetterlagen häufiger auftreten, aber im südlichen Landkreis, im Oberallgäu, würde ich sogar sagen, dass wir bis jetzt eher von diesen Veränderungen profitieren. Wir haben längere Vegetationsphasen; zum Beispiel beginnen der Weideaustrieb im Frühjahr und das Mähen mindestens 14 Tage früher als vor 25 Jahren. Vor allem dieses Jahr ist der erste Frost viel später eingetreten. Früher hatten wir normalerweise Anfang September den ersten Frost, woraufhin das Graswachstum endete. Jetzt haben wir Mitte Oktober, und bisher hatten wir noch keinen Frost. So etwas gab es früher nicht.

AllgäuKompass: Also gibt es hier im Allgäu mittlerweile sogar höhere Erträge als früher. Dennoch ist bayernweit eine Vorsorge gegen Extremwetter wichtig, oder?

Michael Gabler: Ja, definitiv. Gerade in den Ackerbau-Gegenden ist das von großer Bedeutung. Man sollte bedenken, dass in diesen Regionen in der Regel nur eine oder zwei Ernten pro Jahr eingebracht werden. Wenn dann ein Hagelsturm auftritt und die Kultur zerstört, bedeutet das für das betroffene Jahr einen finanziellen Totalausfall. Dieses Problem ist im Grünlandbereich etwas geringer ausgeprägt, da wir hier in der Regel 4-6 Schnitte durchführen, je nach Bedarf. Wenn beispielsweise ein Schnitt im Grünland durch Hagel oder Dürre beeinträchtigt wird, ist das nicht so schwerwiegend wie im Ackerbau, wo die Existenz schnell auf dem Spiel steht.

AllgäuKompass: Abgesehen vom Klimawandel hat sich in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten einiges geändert. Welche Themen haben an Relevanz gewonnen?

Michael Gabler: Stichwörter wie Massentierhaltung oder Überdüngung sind negative Schlagworte, die heute in der Landwirtschaft relevant sind. Dabei muss ehrlicherweise gesagt werden, dass wir in der heutigen Zeit besser aufgestellt sind als je zuvor. Ein Teil unseres Wissens stammt vielleicht noch aus vergangenen Zeiten, aber wir düngen präziser und mit geringeren Mengen, und es wird weniger Pflanzenschutzmittel verwendet. Früher dachten wir kaum an Erosionsschutz, doch in den letzten 20 Jahren hat sich hier viel getan.

AllgäuKompass: Mit Blick auf die Zukunft, haben Sie einen Wunsch für die Landwirtschaft?

Michael Gabler: Mein Wunsch wäre, dass die Viehhaltung, insbesondere hinsichtlich des Tierwohls, mehr Planungssicherheit erhält. In diesem Zusammenhang ist es bedauerlich, dass die Tierwohlkommission oder die Borchert-Kommission ihre Arbeit eingestellt hat. Hier hatte man endlich alle Interessenverbände an einen Tisch gebracht, was mir Hoffnung gab. Bei der Planung eines Stalls bindet man sich mindestens 20 Jahre, und da ist die nötige Planungssicherheit unerlässlich. Leider wurde dies von der Politik nicht umgesetzt, und ich wünschte, dass mehr Mut aufgebracht wird, um solche Konzepte zu verwirklichen, damit die Landwirtschaft in Deutschland weiterhin eine Chance hat.

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